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RatgeberAktualisiert November 20268 Min. LesezeitMax Uth

Digitaler Euro: Was Händler jetzt wissen müssen

Digitaler Euro an der Ladenkasse: Was Händler wissen müssen

Der digitale Euro rückt näher: EU-Parlament und Rat verhandeln seit Juli über das Gesetz, eine Einigung ist bis Ende 2026 geplant. Für Dich als Händler geht es um drei Fragen: Musst Du den digitalen Euro annehmen, was darf er Dich kosten und was ändert sich an Deiner Kasse? Gleichzeitig sucht die Bundesbank gerade Ladengeschäfte für ein Pilotprojekt – Bewerbungsschluss ist der 20. November 2026.

Was ist passiert?

Der digitale Euro ist digitales Bargeld, das die Europäische Zentralbank (EZB) herausgeben will. Er soll neben Scheinen und Münzen gelten und wie Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel sein. Bezahlen sollen Kunden damit online, mit dem Smartphone oder an der Ladenkasse, nach den Plänen auch offline.

Der aktuelle Stand in vier Schritten:

  • Juni 2023: Die EU-Kommission legt den Gesetzesvorschlag vor.
  • 19. Dezember 2025: Der Rat der EU (die Mitgliedstaaten) beschließt seine Verhandlungsposition. Teil davon: Händler sollen Bargeld künftig grundsätzlich nicht mehr ablehnen dürfen.
  • 9. Juli 2026: Das EU-Parlament bestätigt im Plenum sein Mandat für die Verhandlungen. Kurz darauf startet der Trilog, also die Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission.
  • 9. Oktober 2026: Die Bundesbank veröffentlicht einen Aufruf an stationäre Händler für das Pilotprojekt, das in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten soll.

Eine Einigung im Trilog ist bis Ende 2026 geplant. Laut Bundesbank kann der digitale Euro erst herausgegeben werden, wenn das Gesetz steht. Kommt es 2026, peilt die EZB eine Ausgabe im Laufe des Jahres 2029 an.

⚠️ Wichtig: Noch ist nichts beschlossen. Rat und Parlament haben unterschiedliche Positionen, vor allem bei Gebühren und Ausnahmen. Alle Details in diesem Artikel können sich im Trilog noch ändern.

Quellen: Bundesbank: Stand der Dinge zum digitalen Euro, Rat der EU: Pressemitteilung vom 19.12.2025, EU-Parlament: Legislative Train zum digitalen Euro, Bundesbank: Aufruf an stationäre Händler (PDF)

Akzeptanzpflicht: Musst Du den digitalen Euro annehmen?

Weil der digitale Euro gesetzliches Zahlungsmittel werden soll, ist eine Akzeptanzpflicht für Händler vorgesehen. Die gute Nachricht für kleine Betriebe: Beide Seiten wollen Ausnahmen.

  • EU-Parlament: Die meisten Unternehmen sollen den digitalen Euro annehmen müssen. Ausgenommen werden sollen Selbstständige sowie Klein- und Kleinstunternehmen.
  • Rat: Auch hier hängen die Ausnahmen von Art und Größe des Unternehmens ab. Wo die Akzeptanzpflicht gilt, sollen Kunden zwischen Online- und Offline-Zahlung wählen können.

Wo genau die Grenze zwischen „klein“ und „pflichtig“ liegt, steht noch nicht fest. Das wird im Trilog verhandelt. Für Dich heißt das: Betreibst Du ein kleines Café oder einen Laden mit wenigen Mitarbeitern, hast Du nach beiden Entwürfen gute Chancen auf eine Ausnahme. Größere Filialbetriebe sollten mit einer Akzeptanzpflicht rechnen.

💡 paylindo Tipp: Die Akzeptanzpflicht für den digitalen Euro ist ein anderes Thema als die geplante Kartenzahlungspflicht 2027 der Bundesregierung. Die eine kommt von der EU, die andere ist ein deutsches Gesetzesvorhaben.

Bargeld bleibt Pflicht

Parallel will der Rat die Bargeldannahme stärken. Händler und Dienstleister sollen Bargeld grundsätzlich nicht mehr ablehnen dürfen. Ausnahmen sind Fernabsatz wie Onlineshops und unbemannte Verkaufsstellen, zum Beispiel Automaten. Du darfst aber weiterhin sagen, dass Dir Karte oder digitale Zahlung lieber ist.

Gebührendeckel: Was kostet Dich der digitale Euro?

Für Händler ist das die wichtigste Frage – und genau hier liegen Rat und Parlament am weitesten auseinander. Klar ist: Für Verbraucher soll die Grundnutzung kostenlos sein. Du als Händler zahlst dagegen ein Entgelt an Deinen Zahlungsdienstleister, ähnlich wie heute das Disagio bei Kartenzahlungen.

Beide Seiten wollen dieses Entgelt deckeln. Der Gebührendeckel soll sich zunächst an vergleichbaren Zahlungsmitteln orientieren und später an den echten Kosten des digitalen Euro:

PunktRat der EUEU-Parlament
Gebührendeckel am StartOrientiert an vergleichbaren ZahlungsmittelnOrientiert an vergleichbaren digitalen Zahlungsmitteln
Schutz für DichNationale Obergrenzen, wo heutige Gebühren deutlich unter dem EU-Deckel liegenObergrenze je Händler: Dein Anbieter darf Dir nicht mehr berechnen als für vergleichbare digitale Zahlungen
ÜbergangsphaseMindestens 5 Jahre, spätestens nach 10 Jahren Umstellung auf ein KostenmodellKann dauerhaft bleiben, wenn ein Bericht der Kommission positive Effekte zeigt

Quellen: Rat der EU, Freshfields-Analyse der Verhandlungspositionen

Was heißt das konkret? Nach dem Parlamentsmodell würde der digitale Euro für Dich nicht teurer als die Kartenzahlungen, die Du heute schon annimmst. Bezahlt ein Kunde mit digitalem Euro statt mit Kreditkarte, könnte es für Dich sogar günstiger werden, je nachdem, woran der Gebührendeckel am Ende genau gekoppelt wird. Konkrete Prozentsätze oder Cent-Beträge gibt es noch nicht.

Der Handel drängt auf einen niedrigen Gebührendeckel. Der europäische Handelsverband EuroCommerce fordert ein möglichst einfaches Gebührenmodell mit einer einheitlichen Obergrenze.

💰 Zum Vergleich: Was Dich Kartenzahlungen heute kosten, siehst Du in unserem Überblick zu den Kosten der Kartenzahlung für Händler.

Brauchst Du ein neues Kartenterminal?

Heute: nein. Bis zur möglichen Ausgabe 2029 bleibt Dein Kartenterminal wie es ist. Wie der digitale Euro technisch an der Kasse angenommen wird, testet das Eurosystem erst im Pilotprojekt ab 2027 zusammen mit ausgewählten Zahlungsdienstleistern.

Laut Bundesbank sind in Deutschland fünf Anbieter für den Pilot ausgewählt: Deutsche Bank, DZ Bank, Helaba, Payone und RS2. Insgesamt hat die EZB 36 Zahlungsdienstleister ausgewählt. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Annahme später über die gewohnten Wege läuft: über Deinen Acquirer und Dein Kartenterminal bzw. Deine Kassenlösung.

💡 paylindo Tipp: Schließt Du in den nächsten Monaten einen neuen Vertrag ab, frag Deinen Anbieter, ob er den digitalen Euro später per Software-Update unterstützen will. Ein langer Mietvertrag für ein Kartenterminal sollte Dich nicht an ein Gerät binden, das neue Zahlarten nicht nachrüsten kann.

Pilotprojekt der Bundesbank: Wer kann mitmachen?

Für das Pilotprojekt sucht die Bundesbank stationäre Händler mit Sitz oder Betriebsstätte in Deutschland. Aber Achtung: Es geht nicht um Deinen eigenen Laden. Die ausgewählten Händler betreiben eine temporäre Verkaufsstelle auf einem Bundesbank-Gelände in Frankfurt am Main. Kunden sind Beschäftigte der Bundesbank und anderer Zentralbanken.

Die wichtigsten Bedingungen aus dem Aufruf:

  • Laufzeit: Start voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2027, insgesamt 12 Monate. Du kannst Dich für mindestens 3 Monate bewerben.
  • Nur digitaler Euro: An der Pilot-Verkaufsstelle nimmst Du ausschließlich die Beta-Version des digitalen Euro an. Andere Zahlarten sind dort nicht vorgesehen.
  • Vertrag mit einem Pilot-Acquirer: Du brauchst einen Vertrag mit einem der für den Pilot ausgewählten Zahlungsdienstleister.
  • Sortiment: Alltagsnah, aber keine Konkurrenz zur Kantine. Angebote, die überwiegend aus Frischprodukten bestehen, sind nicht vorgesehen.
  • Keine Vergütung: Es gibt kein Geld für die Teilnahme und keine Umsatzgarantie. Deinen Aufwand trägst Du selbst.
  • Fristen: Rückfragen bis 6. November 2026, Bewerbung bis 20. November 2026, 17 Uhr, per E-Mail an piloting-digitalereuro@bundesbank.de.

Für die meisten kleinen Händler und Gastronomen lohnt sich das kaum: Der Standort ist fest, der Aufwand hoch und eine Vergütung gibt es nicht. Interessant ist das Pilotprojekt vor allem für Händler aus dem Raum Frankfurt, die früh Erfahrung sammeln und Einfluss auf die Gestaltung nehmen wollen.

Was bedeutet das für Händler und Gastronomen?

Kurzfristig ändert sich für Dich nichts. Bis Ende 2026 wird verhandelt, frühestens 2029 könnten Kunden mit digitalem Euro bezahlen. Trotzdem lohnt es sich, die Entwicklung im Blick zu behalten:

  • Mehr Konkurrenz bei den Gebühren: Mit dem digitalen Euro und Wero kommen europäische Alternativen zu Visa und Mastercard. Ein gesetzlicher Gebührendeckel könnte Druck auf die Preise machen.
  • Eine Zahlart mehr an der Kasse: Kunden zahlen heute schon zum großen Teil mit Karte und Smartphone, wie unsere Auswertung zum Zahlungsverhalten in Deutschland zeigt. Der digitale Euro wäre eine weitere Option, die Dein System abbilden muss.
  • Bargeld bleibt: Wenn die Ratsposition kommt, darfst Du Bargeld im Laden in der Regel nicht ablehnen. Eine reine „Nur Karte“-Strategie wäre dann nicht mehr erlaubt.
  • Viel Regulierung auf einmal: Neben dem digitalen Euro stehen die Kartenzahlungspflicht 2027 und die Kassenpflicht 2028 an. Plane Investitionen in Kasse und Terminal so, dass alles zusammenpasst.

Was solltest Du jetzt tun?

  1. Nichts überstürzen: Du musst heute weder Geräte kaufen noch Verträge ändern. Der digitale Euro kommt frühestens 2029.
  2. Bei neuen Verträgen nachfragen: Achte bei einem neuen Kartenterminal oder Kassensystem darauf, dass der Anbieter neue Zahlarten per Update nachrüstet. Einen Überblick über aktuelle Anbieter bekommst Du im Kartenterminal-Vergleich.
  3. Gebühren kennen: Prüfe, was Du heute pro Zahlart zahlst. Nur dann kannst Du später beurteilen, ob der digitale Euro für Dich günstiger ist.
  4. Pilotprojekt nur bei echtem Interesse: Wenn Du im Raum Frankfurt sitzt und die Bedingungen passen, bewirb Dich bis 20. November 2026 bei der Bundesbank.
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Fazit

Der digitale Euro ist auf dem Weg, aber noch nicht beschlossen. Für die meisten kleinen Betriebe zeichnet sich eine Ausnahme von der Akzeptanzpflicht ab, für alle anderen ein Gebührendeckel, der den digitalen Euro nicht teurer als Kartenzahlungen machen soll. Bis 2029 ändert sich an Deiner Kasse nichts – nutze die Zeit, um Deine heutigen Kosten zu kennen und flexible Verträge abzuschließen.

Ab wann gibt es den digitalen Euro?
Frühestens 2029. Voraussetzung ist, dass das EU-Gesetz bis Ende 2026 beschlossen wird. Vorher läuft ab der zweiten Jahreshälfte 2027 ein Pilotprojekt mit ausgewählten Händlern und Zahlungsdienstleistern.
Muss ich als kleiner Händler den digitalen Euro annehmen?
Wahrscheinlich nicht. Das EU-Parlament will Selbstständige sowie Klein- und Kleinstunternehmen von der Akzeptanzpflicht ausnehmen, auch der Rat sieht Ausnahmen nach Unternehmensgröße vor. Die genauen Grenzen werden noch verhandelt.
Was kostet der digitale Euro für Händler?
Konkrete Gebühren stehen noch nicht fest. Geplant ist ein Gebührendeckel, der sich zunächst an vergleichbaren Zahlungsmitteln wie Debitkarten orientiert. Nach dem Modell des Parlaments soll kein Händler mehr zahlen als für vergleichbare digitale Zahlungen. Was Kartenzahlungen heute kosten, zeigt unser Gebühren-Überblick.
Brauche ich für den digitalen Euro ein neues Kartenterminal?
Aktuell nicht. Wie die Annahme an der Kasse technisch funktioniert, wird erst im Pilotprojekt ab 2027 getestet. Frag bei neuen Verträgen, ob Dein Anbieter neue Zahlarten per Update unterstützt, und vergleiche Anbieter im Kartenterminal-Vergleich.
Geschrieben von Max Uth, paylindo Teampaylindo ist unabhängig: Anbieter zahlen uns eine feste Gebühr für die Listung, bei manchen erhalten wir zusätzlich eine kleine Provision. So arbeiten wir

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