Paylindo Logo
Veröffentlicht am

girocard 2027: Vorautorisierung und In-App-Zahlung für Händler

Max Uth
Max Uthpaylindo Team
girocard 2027: Hotelgast zahlt an der Rezeption mit Karte am Kartenterminal

Die girocard soll ab 2027 Dinge können, für die du bisher eine Kreditkarte gebraucht hast: Beträge vorab reservieren und in Händler-Apps bezahlen. Für Hotels, Vermieter und Gastronomen mit Reservierungen kann das günstiger werden. Hier liest du, was offiziell angekündigt ist, was noch offen ist und was du jetzt tun kannst.

Was ist passiert?

Die EURO Kartensysteme GmbH betreibt die girocard im Auftrag der Deutschen Kreditwirtschaft. Mit den Halbjahreszahlen 2026 vom 25. August 2026 hat sie zwei neue Funktionen angekündigt:

  • In-App-Zahlung: Kunden hinterlegen ihre girocard in deiner App und zahlen dort, oder an der Kasse per Barcode bzw. QR-Code aus der App.
  • Vorautorisierung: Ein Betrag wird vorab reserviert und erst abgebucht, wenn die endgültige Summe feststeht, etwa bei Hotel- oder Mietwagenbuchungen.

Einen festen Starttermin nennt die Pressemitteilung nicht. In einem dpa-Interview (via t-online) sagte Christopher Kirsch von EURO Kartensysteme: In-App-Zahlungen sind „voraussichtlich ab Frühjahr 2027“ geplant, Hotel- und Mietwagenbuchungen ab Anfang 2027.

⚠️ Wichtig: Die Termine stammen aus dem Interview, nicht aus einer offiziellen Zeitplanung. Welche Netzbetreiber, Terminals und Händler zum Start dabei sind, ist noch nicht bekannt.

Daten & Zahlen im Überblick

Die Zahl der Stellen, an denen du mit girocard zahlen kannst, wächst deutlich. Im ersten Halbjahr 2026 liefen rund 4,21 Mrd. girocard-Zahlungen (Vorjahr: 4,04 Mrd.), der Umsatz lag bei 151,9 Mrd. Euro. Im Juni 2026 waren rund 92 % der Zahlungen kontaktlos.

girocard-Akzeptanzstellen (Terminals), jeweils 1. Halbjahr

Akzeptanzstellen in Tausend
1. Halbjahr 2025
1257%
1. Halbjahr 2026
1397%

Quelle: EURO Kartensysteme, Halbjahreszahlen 2026

Vorautorisierung: So funktioniert die Reservierung mit girocard

Bei der Vorautorisierung bestätigt dein Kunde einmal einen bestimmten Betrag. Du bekommst dafür eine Zahlungsgarantie, abgebucht wird aber erst später. Laut girocard.eu kann der Endbetrag niedriger oder höher sein als der reservierte. Du kannst später auch in Teilbeträgen abrechnen, ohne dass der Kunde die Karte noch einmal vorzeigt.

Typische Fälle, die EURO Kartensysteme nennt:

  • Hotels und Restaurants: Eine No-Show-Gebühr wird bei der Buchung reserviert und nur abgebucht, wenn der Gast nicht kommt.
  • Mietwagen und Verleih: Die Kaution wird bei der Übergabe reserviert. Bei der Rückgabe rechnest du den echten Betrag ab, inklusive Schäden oder Mehrkilometern.
  • Reiseveranstalter: Anzahlung reservieren, Rest später einziehen.
  • Abos und Mitgliedschaften (später geplant): etwa für Fitnessstudios und Vereine.

Für Kunden hat die Vorautorisierung einen Haken: Der reservierte Betrag ist auf ihrem Girokonto blockiert. Einen Kreditrahmen wie bei der Kreditkarte gibt es nicht. Und im Ausland hilft die girocard nicht, weil ausländische Anbieter sie meist nicht akzeptieren.

In-App-Zahlung: girocard in deiner eigenen App

Die In-App-Zahlung lohnt sich vor allem, wenn du eine eigene App hast, etwa als Bäckereikette, Lieferdienst oder Fitnessstudio. Der Kunde hinterlegt seine girocard einmal und bestätigt das per starker Kundenauthentifizierung in seiner Banking-App.

Danach gibt es laut girocard.eu zwei Varianten:

  1. Bestätigung bei jeder Zahlung: Der Kunde gibt jede In-App-Zahlung in seiner Banking-App frei.
  2. Whitelisting: Der Kunde markiert dich als vertrauenswürdigen Händler. Dann entfällt die Bestätigung meist, Bank oder Händler können sie bei Risiko aber trotzdem verlangen.

Für die In-App-Zahlung brauchst du einen Netzbetreiber, der die Funktion unterstützt. Du musst den girocard-Bezahlknopf in die App einbauen und eine Referenz-ID speichern. Im Gegenzug bekommst du eine Zahlungsgarantie der Deutschen Kreditwirtschaft.

Was bedeutet das für Händler und Gastronomen?

Händlergebühren: Wo die girocard günstiger sein kann

Bisher brauchst du für Kautionen und No-Show-Gebühren fast immer eine Kreditkarte. Die ist für dich in der Regel teurer, weil die EU die Interchange bei Kreditkarten höher deckelt (0,3 %) als bei Debitkarten (0,2 %). Kirsch sagte im dpa-Interview, die neue Lösung sei für Händler „definitiv günstiger als eine Kreditkartenlösung“. Konkrete Händlergebühren für die Vorautorisierung gibt es noch nicht.

💰 Rechenbeispiel: Du rechnest im Monat 20 Hotel-Kautionen über je 400 € ab, also 8.000 €. Kostet dich eine Kreditkartenzahlung 1,5 % und eine girocard-Zahlung 0,3 %, sind das 120 € gegenüber 24 €. Die Prozentsätze sind Beispielwerte, keine Anbieterkonditionen. Deine echten Händlergebühren hängen von deinem Vertrag ab.

No-Show-Gebühr: Interessant für Restaurants mit Reservierungen

Leere Tische nach Reservierungen kosten Umsatz. Mit der Vorautorisierung kannst du eine No-Show-Gebühr auch bei Gästen absichern, die keine Kreditkarte haben oder sie nicht angeben wollen. Laut EURO Kartensysteme sind rund 100 Mio. girocards im Umlauf. Ob dein Reservierungssystem die Funktion unterstützt, ist aber noch offen.

Hotel, Ferienwohnung, Verleih

Für Hotels und Vermieter ist die Vorautorisierung der größte Schritt. Gäste ohne Kreditkarte musst du bisher abweisen oder Bargeld als Kaution nehmen. Mit der girocard 2027 kannst du die Kaution digital absichern. Mehr zu Terminals für deine Branche findest du auf unserer Seite zum EC-Gerät fürs Hotel.

Wenn du einfach nur an der Kasse kassierst

Dann ändert sich für dich erst einmal wenig. Kontaktlos mit girocard zahlen deine Kunden schon heute, auch per Smartphone. Die neuen Funktionen betreffen vor allem Reservierungen, Kautionen und Apps.

Was solltest du jetzt tun?

  1. Bei deinem Anbieter nachfragen — Frag, ob dein Netzbetreiber und dein Kartenterminal die girocard-Vorautorisierung unterstützen werden und was sie kostet.
  2. Händlergebühren vergleichen — Prüf, was du heute für Kreditkartenzahlungen zahlst. Unser Überblick zu den Kosten der Kartenzahlung hilft dir dabei.
  3. Reservierungs- und Kautionsprozess prüfen — Wenn du No-Show-Gebühren oder Kautionen nimmst, sprich mit deinem Buchungs- oder Kassensystem-Anbieter über die girocard.
  4. Anbieter wechseln, wenn nichts kommt — Bietet dein Anbieter die neuen girocard-Funktionen nicht an, vergleiche Alternativen im Kartenterminal-Vergleich.
Spare bis zu 650 EUR pro Monat!

Fazit

Die girocard 2027 bekommt Vorautorisierung und In-App-Zahlung. Für Hotels, Vermieter und Restaurants mit Reservierungen kann das Kautionen und No-Show-Gebühren günstiger machen als mit der Kreditkarte. Starttermine und Gebühren sind aber noch nicht offiziell. Frag deinen Anbieter frühzeitig, ob er mitzieht.

Laut EURO Kartensysteme im dpa-Interview sollen Hotel- und Mietwagenbuchungen ab Anfang 2027 möglich sein. Einen offiziellen Starttermin gibt es noch nicht.
Ja, das ist einer der Anwendungsfälle, die EURO Kartensysteme nennt. Der Betrag wird bei der Buchung reserviert und nur abgebucht, wenn der Gast nicht kommt. Ob dein Anbieter das unterstützt, musst du dort erfragen.
Konkrete Händlergebühren sind noch nicht veröffentlicht. EURO Kartensysteme sagt, die Lösung soll für Händler günstiger sein als eine Kreditkarte. Was du heute zahlst, siehst du in unserem Gebührenüberblick.
Ja. Die In-App-Zahlung richtet sich an Händler mit eigener App. Du brauchst außerdem einen Netzbetreiber, der die Funktion unterstützt.

Quellen: EURO Kartensysteme: Halbjahreszahlen 2026, girocard.eu: Vorautorisierung, girocard.eu: In-App-Zahlungen, t-online (dpa-Interview mit Christopher Kirsch), WinFuture